Unsere Gmoichronik

Die Gründung der ersten Eghalanda Gmoi z' Linz erfolgte am 24. Januar 1904 angeregt durch die schon bestehenden Gmoin in Wien und Graz. Die zehn Gründungsmitglieder waren meist Musiker beim Landestheater in Linz oder Militärmusiker. So bildete sich bald ein Salonorchester. Weitere Landsleute stießen zum jungen Verein, eine Volkstanz- und eine Theatergruppe unterhielten die schnell wachsende Gemeinschaft. Bald gab es eine Trachtengruppe und alle pflegten heimatliches Brauchtum, Mundart und Sitten und halfen etwa in Not geratenen Landsleuten.

Vor Beginn des l. Weltkrieges hatte der Verein 400 Mitglieder. Der Krieg brachte jähe Unterbrechung. Viele mussten einrücken, fielen im Laufe des Krieges, andere zogen weg, besonders als nach Kriegsende die Monarchie zerfiel.

Erst 1919 sammelten sich die verbliebenen Landsleute wieder, ließen die Gmoi wieder aufleben, in der es bald wieder die alten aktiven Gruppen gab:

  • ein Salon Orchester
  • eine Trachtengruppe und
  • eine Theatergruppe

 

Volksmusik wurde gepflegt mit Gitarre, Dudelsack und Zither. Das Vereinsleben blühte. 1938 wurde diese Gmoi aufgelöst, die Zusammenkünfte fanden ab da heimlich in den Familien statt.  

Fahnenpatin Betty Günzel

 

Nach Ende des 2. Weltkrieges, als zu den verbliebenen Egerländem noch viele Heimatvertriebene kamen, wurde das alte Wort "Eghalanda, halt's enk z'samrn!" zur bitteren Notwendigkeit. Es entstand die alte, neue Gmoi so bald es die Verhältnisse erlaubten. 1947 gab es eine Tischrunde, eine "Ascher Gmeu" und am 10. Jänner 1953 wurde die Gmoi unter dem alten Namen wieder angemeldet. Wieder wurden die altbewährten aktiven Gruppen lebendig mit alten und vielen neuen Mitgliedern. "Mouhmen und Vettern", wie sich die Egerländer untereinander nennen.

Mouhm Günzel stiftete die neue Fahne nach einem Entwurf von Vetter Lochner. 1954 trat der Verein dem Trachtenverband Linz u. Umgebung bei. Im August dieses Jahres fand ein gesamtösterreichisches Egerlandtreffen statt, an dem auch viele Egerländer Gmoin aus Deutschland und zahlreiche österreichische und oberösterreichische Trachtenvereine teilnahmen. An diesem Tage wurde die neue Fahne geweiht. Die Schirmherrschaft hatten LH Dr. Heinrich Gleisner und Bgm. Dr. Ernst Koref. Festredner waren der deutsche Bundesminister Dr. Ing. Seebohm, damals Sprecher der Sudetendeutschen und Bundesvüartäiha Bartl.

Die Gmoi nahm gern an Festen und Veranstaltungen teil, wie "1000 Jahre Enns", "40 Jahre Nürnberger Gmoi" u. v. a. m. Die Jahre vergingen. 1989 wurde der 85. Geburtstag des Vereins gefeiert, 1994 das 90. Bestandsfest besonders festlich begangen unter Teilnahme zahlreicher Gmoin und Trachten vereine aus In- und Ausland und mit bester Unterstützung der Stadt Linz sowie des Landes Oberösterreich. Es war ein schönes Fest, das in Linz und Ebelsberg stattfinden konnte. Festredner war Bundesvüarstäiha Seif Heil mit einer ausgezeichneten Ansprache. Seither konnte die Gmoi noch an etlichen Egerlandtagen in Marktredwitz und Veranstaltungen befreundeter Vereine in Oberösterreich teilnehmen.

Das alte Egerland konnte durch das Ende des Eisernen Vorhanges wieder besucht werden. 1996 erlebte eine Trachtengruppe den 90. Geburtstag der Gmoi z' Berlin, die "Hutzstunden" (= Hoamgartln) finden regelmäßig statt und man nimmt immer noch an möglichst vielen Veranstaltungen teil. Der 100. Geburtstag der Gmoi z' Wien, der ätesten Gmoi überhaupt, wurde begangen, ebenso der 70. der Salzburger Gmoi, 70 Jahre HuTV Traun u.v.a. Fröhliche Stammtische und ernste letzte Begleitungen verstorbener Trachtenfreunde wechseln sich ab.

Nun, am 28. März 2004 hat die Gmoi den 100. Gründungstag und die 50-jahrige Zugehörigkeit zum Verband der Heimat- und Trachtenvereine Linz und Umgebung im Festsaal des Neuen Linzer Rathauses gefeiert und viele kamen unserer Einladung nach.

 

Die Vüarstäiha (Obmänner) der Gmoi z' Linz waren:

  • 1904 - 1908 Juwelier Kratochwil u. MR Dr.Deisinger
  • 1908 - 1916 Oberevident Seitz
  • 1916 - 1919 wurde der Kontakt nur in den Familien aufrechterhalten
  • 1919 - 1920 H. Liehmann (interimistisch Hillardt)
  • 1920 - 1938 Heinrich Kraus
  • 1947 - 1957 Anton (Toni) Pleyer
  • 1958 - 1958 Hans Zinner
  • 1959 - 1974 Ing. Otto Schmied
  • 1975 - 1986 OSTR Dr. Alfred Zerlik
  • 1987 - 1988 Dir. Alfred Klement
  • 1989 - 2004 Kons. Walter Ludwig
  • 2004 - dato Jutta-Sybille Aglas-Baumgartner

 

Unsere Gmoilokale:

Gründungslokal war die "Goldene Birne". Es folgten in der Reihenfolge

  • das Gasthaus "Zur Kanone"
  • das Kaufmännische Vereinshaus
  • das "Weiße Lamm"
  • der "Wienerwald"
  • das "Latemdl"
  • das Gasthaus "Zur Pfeife"
  • der " Stieglbräu" am Volksgarten
  • Gasthaus "Zum Tiroler" am Bernaschekplatz
  • Gasthaus "Landwiedplatzl"

wo wir uns heute noch wohl beherbergt und bewirtet fühlen.  

 

Wechselhaft wie die Geschichte ist auch die der Eghalanda Gmoi z' Linz. Es gab trübe Zeiten, und schöne Feste und Erlebnisse und im Verband der oberösterreichischen Trachtenfreunde fühlt sich die Gmoi z' Linz heute geborgen und daheim. Etliche Gründungen von Gmoin in Osterreich, wie in Graz, St. Gilgen Wels und Gmunden haben nicht ewig bestanden.

Der Landesverband Österreich besteht nun noch aus den drei Gmoin: Wien Salzburg und Linz.

Die Überalterung nimmt ihren Lauf. Die junge Generation ist in Österreich schon geboren und hier Zuhause. Sie betätigt sich in den Vereinen ihrer neuen Heimat. Das wird eines Tages die Geschichte der österreichischen Eghalanda Gmoin beenden.

In Deutschland ist das besser, da gibt es viele Gmoin und in Oberfranken und der Oberpfalz gibt es besonders ähnliche Mundarten und Bräuche. Aber auch im alten Egerland lebt wieder ein wenig deutsches, egerländisches Brauchtum auf. Man kann dort jetzt auch wieder reden wie einem der Schnabel gewachsen ist, auch wenn die Zahl der restlichen Egerländer nicht groß ist (Abschrift des Infoblattes "Die Eghalanda Gmoi z` Linz - Chronik eines alten Vereines" - 4.6.2000).

Kons. Walter Ludwig verstarb am 13. Jänner 2005. Viele seiner Vereinsmitglieder und Freunde geleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Wir werden ihm ein würdiges Andenken bewahren.